Bärbel Fox

Kunst

Endlich – Meine Installation „Flucht“ ist öffentlich! Ein Artikel zur Eröffnung:

Flucht als Kunstinstallation

Von Charlotte Martin

Erlebnisse in der eigenen Familie und die Flüchtlingswelle 2015 haben Bärbel Fox zu einem monumentalen, beeindruckenden Kunstwerk bewogen, das im Stadtmuseum zu sehen ist.

In der Installation „Flucht“ der Stockstädter Künstlerin Bärbel Fox im Groß-Gerauer Stadtmuseum sehen sich die Besucher unmittelbar mit dem Thema Migration, Vertreibung, Flucht konfrontiert.

In der Installation „Flucht“ der Stockstädter Künstlerin Bärbel Fox im Groß-Gerauer Stadtmuseum sehen sich die Besucher unmittelbar mit dem Thema Migration, Vertreibung, Flucht konfrontiert. Foto: Vollformat/Alexander Heimann

GROSS-GERAU – Es sei letztlich stets der Mensch, der sie interessiere, begrüßte die in Stockstadt lebende Künstlerin Bärbel Fox am Freitagabend das Publikum im Stadtmuseum. Zur Vernissage ihrer 2,25 Meter hohen und 30 Quadratmeter umfassenden Installation in zwei Räumen mit dem Titel „Flucht“ zeigten sich die Besucher tief bewegt. Beim Gang durch das gezimmerte Zweiraum-Haus ohne Dach und Türen wurden sie hautnah mit dem Thema konfrontiert. Es war, als klopfe ihnen jemand auf die Schulter und frage: „Was wäre, wenn du selbst Flüchtling wärst? Worin unterscheidest du dich von anderen? Sind wir nicht alle Menschen?“
Es war ein Gang durch karge, wie durch Krieg zerstörte Räume, die Brandspuren, Lücken und Risse aufweisen. Im vorderen Raum steht der Betrachter Wandbildern verheerter Häuserschluchten gegenüber, die an Kriegsschauplätze unserer Welt mahnen.
Trauer, Entsetzen und Resignation
„Wo sind die Menschen geblieben? Wo ihre Geschichten und Erinnerungen?“, fragte Besucherin Syeda-Tanzeela Shah (14) erschüttert. Zusammen mit ihrer Mutter Arzoo Shah, die als Neunjährige aus Pakistan nach Europa kam, lobte sie die Ausdruckskraft der Installation. „Auch die Zeichnungen der Gesichter von Menschen vieler Nationen sind sehr gelungen“, so Syeda-Tanzeela Shah. „Ich lese Trauer, Entsetzen, Resignation oder auch Gleichgültigkeit darin.“

AUCH IN NEW YORK

„Flucht- eine künstlerische Installation in zwei Räumen“ von Bärbel Fox ist bis 21. Oktober im Stadtmuseum zu sehen. In der New Yorker Galerie „Stricoff“ (Chelsea) war die Installation „Flucht“ („Escape“) von Bärbel Fox bereits im März als Videoschleife zu erleben. (lot)
Zwischen den Porträts hat die Künstlerin einen hohen Spiegel installiert, sodass der Betrachter sich unerwartet selbst gegenübersteht: Er selbst – ein Geflüchteter unter Flüchtlingen?
Der zweite Raum, der zunächst groß, karg, kalt und leer wirkt, birgt minutiöse Bildnisse von Lebensträumen in Guckkästen: Sich zu den Schlitzen hinabbeugend, war die Sehnsucht nach Geborgenheit und nach Freiheit in Miniaturen behaglicher Räume, blühender Sonnenblumen und fliegender Kraniche wiederzufinden.
„Ich bin bewegt. Das geht unter die Haut. Wir sind doch alle Menschen – es sind nur wenige, die Terror machen“, meinte Besucher Wilhelm Gilbert, der den Zweiten Weltkrieg noch aus eigenem Erleben kennt. Wer die Installation von Bärbel Fox betritt, ist kein Außenstehender mehr, findet sich hineingezogen in den Komplex der Fragen um Flucht, um Ursachen und Verantwortung. Antworten, die Bärbel Fox im Vorfeld auf ihre Frage „Was muss geschehen, dass du dein Zuhause verlässt?“ einholte, hat sie auf der Rückseite zur Lese-Tapete verarbeitet. Das Entree des Kunstwerks besteht aus Pressenachrichten zu Krieg, Krisen und Flucht.
Fox hatte zu Beginn der Vernissage die Entstehung ihres Werks erläutert: „Was ich nicht selbst erfahre, kann ich nicht verstehen. Ich erinnere mich noch heute: Ich, das spielende Kind, daneben meine traurige Mutter.“ Das Fluchttrauma ihrer Mutter, die 1946 aus Posen vertrieben wurde, prägte ihre Kindheit. Die frühe, wortlose Konfrontation mit dem Thema Flucht sowie ihre starken Eindrücke der Flüchtlingswelle ab 2015 führten dazu, dass Bärbel Fox eine künstlerische Ausdrucksform suchte.
Laudator Hans J. Wieschollek betonte, die besondere Intensität des Kunstwerks liege darin, nicht spektakulär das Schicksal Geflüchteter vorzuführen, sondern die eigene Betroffenheit sowie Fragen nach dem Menschsein Auslöser waren. „Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll“.

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